Neckarelz Martinskirche

Martinskirche

 
773 n.Chr. beginnt die geschriebene Geschichte von Neckarelz mit der Erwähnung in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch. Um diese Zeit dürfte die erste Martinskirche bereits gestanden haben, umgeben von einer nachweisbaren, christlichen Begräbnisstätte. Schutzpatron war der Hl. Martin, Bischof von Tours.

1371 war die zweite Martinskirche fertig, ein stattlicher, spätgotischer Bau mit einem fast 52m hohen Turm. Ein zweijochiger Chor mit 5/8-Abschluss wurde von fünf Maßwerkfenstern erhellt. Das anschließende, sich erweiternde Kirchenschiff war einfach, mit einer Orgelempore. Die Kirche hatte besonders unter den Folgen des Dreißgjährigen Krieges zu leiden. Die Not führte dazu, dass notwendige Reparaturen an Dach und Kirchenschiff nicht durchgeführt werden konnten. 1765 erfolgte eine gründliche Untersuchung. Das Gutachten empfahl den Abriss des Kirchenschiffs.

Die dritte Martinskirche wurde unter Beibehaltung des spätgotischen Turms gebaut, in dem sich die Sakristei befindet. Die Einweihungsschrift von 1773 finden wir über dem geschlossenen Eingangsportal der Ostseite. Die Sitzanordnung war ursprünglich quer gerichtet, Kanzel und Altar an der Nordseite. Die Herkunft des barocken Orgelprospekts ist ungeklärt.

Beim Kirchenumbau 1929/30 findet eine Umgestaltung in Längsrichtung statt, die Orgelempore wird erweitert. 1961-1963 erhält die Kirche eine helle Gestaltung und farbige Fenster. Mit Ausnahme des 1959 gestifteten Kanzelfensters sind diese Arbeiten von Hans Göthert. Sie stellen die Gleichnisse vom Barmherzigen Samariter und von den anvertrauten Pfunden sowie zwei Heilungswunder dar. Das heutige Aussehen basiert auf der Renovierung von 1988/89. Der Altar wurde vom Karlsruher Kirchenoberbaurat Horst Wein entworfen. Seit 2001 schmücken Paramente der Künstlerin Ch. Goertz Kanzel und Altar. In der Folge erhielt das Turmdach neue Schieferziegel. Hauptstück des 3er-Geläutes dort ist die 1000 kg schwere Osanna-Glocke aus dem Jahr 1511. Ein 2015 bis 2018 wirkender Förderverein ermöglichte zusammen mit Zuschüssen der Landeskirche die Generalsanierung der hochgeschätzten Vleugels-Orgel.